Bambus im Garten – graziler Kraftprotz mit Vielfalt und Charakter
Wie jeder weiß, kommt der Bambus eigentlich aus Asien. Doch in der hiesigen Gartengestaltung hat er sich mittlerweile einen festen Platz erobert. Seine stilistische und funktionale Wandlungsfähigkeit macht Bambus einfach hochinteressant und vielfältig im Garten einsetzbar.
Bambus ist Bambus ist Bambus? Von wegen! Tatsächlich lassen sich weit über 1500 Arten von Bambus in den verschiedensten Wuchsformen und Grüntönen zählen. Der gern verschenkte „Glücksbambus“ gehört allerdings nicht dazu: Dracaena Sanderiana, wie er fachsprachlich heißt, mag zwar für den Laien wie ein Bambus aussehen, ist in Wahrheit jedoch ein Liliengewächs.
Allgemein bekannt ist wohl auch der sogenannte Riesenbambus – ein echter Vertreter dieser Pflanzenfamilie übrigens –, der in seiner asiatischen Heimat gerne einmal bis zu 40 Meter hoch in den Himmel ragt. Seine dicken, wuchtigen Rohre erinnern an Baumstämme, sind aber tatsächlich Halme. Dieser Bambus zählt zur Familie der Süßgräser – so wie kleinere, gartentaugliche Bambusarten auch.



Bambus als Gartenpflanze: Chancen und Herausforderungen
Vor rund 200 Jahren von einem französischen Seidenhändler erstmals nach Europa gebracht, gehört Bambus heute vielerorts zum festen Inventar in heimischen Gärten, muss aber immer noch um seinen Ruf kämpfen: Zu fremdartig, zu expansiv, zu anfällig lauten die gängigen Vorurteile gegenüber Bambus. Für das hiesige Klima eignen sich eigentlich nur rund 20 Arten. Auf humosen, feuchten Böden gedeihen sie dann aber hervorragend. Doch bevor man sich für die eine oder andere Art entscheidet, sollten Gartenbesitzer genau hinzuschauen, denn bei weitem nicht alles, was im Handel ist, ist auch per se für die Verwendung im Hausgarten geeignet.

Für jeden Garten den richtigen Bambus
Generell unterscheidet man zwischen zwei Wachstumstendenzen beim Bambus:
- Phyllostachys (Flachrohrbambus): starkwachsend, bildet unterirdische Ausläufer. Ideal für großzügige Design-Gärten, benötigt eine Rhizomsperre.
- Fargesia (Schirmbambus): horstbildend, platzsparend und pflegeleichte. Perfekt für den Hausgarten und als Bambushecke geeignet.
Möchte man seinen Garten mit Bambus bereichern, sollte dieses Vorhaben nicht ohne Planung angegangen werden. Andernfalls könnte ein teures Nachspiel blühen: So neigt der wuchsstarke Flachrohrbambus dazu, sich mit seinen Ausläufern unkontrolliert, unterirdisch und damit unbemerkt den Weg durch den Garten zu bahnen. Das Resultat ist oftmals eine zerstörte Teichfolie oder Terrasse, manchmal bekommt sogar der Nachbar unerwünschten Besuch oder das Fundament von Gartenmauer oder Haus kann Schaden nehmen. Zwar lässt sich der Expansionsdrang des Phyllostachys mit einer Rhizomsperre eindämmen, doch eignet sich dieser Bambus ohnehin nicht für jeden Garten. Phyllusstachys-Sorten brauchen sehr viel Platz – und den sollte man auch haben. Ist dies der Fall, bereichern sie mit ihrer klaren Linie und den dicken Rohren vor allem Design-Gärten.
Wer hingegen seinem Genießer-Garten einen Hauch asiatischer Exotik verleihen möchte, dem sei der ausläuferlosen Fargesia ans Herz gelegt. Doch auch hier sollte man den Profi ans Werk lassen: Im Handel werden einige Sorten angeboten, die einen sehr hohen Pflegebedarf haben und viel zu mächtig werden, zum Beispiel ‚Ruva‘ oder auch ‚Black Pearl‘. Im Hausgarten angepflanzt, führt das schnell zu Frust. Und dies wiederum befeuert den schlechten Ruf der Pflanze.



Gestaltungsideen mit Bambus
Fachkundig eingesetzt, kann Bambus jedoch als vielseitiges Gestaltungselement genutzt werden. Ob als Solitär, vielleicht sogar optisch dominierendes Exemplar einer ganzen Bepflanzung, oder als asiatisch-reduzierter Hingucker am Teich, im Kübel oder Kiesbett: Bambus ist unglaublich vielfältig und wandlungsfähig. Weil immergrün, bereichert er das Gartenbild auch im Winter, und trotz seiner Kleinteiligkeit bringt er reduzierte Klarheit in den Garten und sorgt für einen optischen Ruhepol. Gleichzeitig verwandelt das Spiel des Windes in seinen Halmen und Blättern ihn in einen meditativen Hingucker, der Blühpflanzen einen wunderbar grünen Hintergrund bietet, vor dem ihre Farben besonders gut zur Geltung kommen.
Doch nicht nur in stilistischer, sondern auch in funktionaler Hinsicht hat Bambus einiges zu bieten – zum Beispiel als immergrüne, pflegeleichte Hecke, die ganzjährigen Sichtschutz gewährleistet, oder im Kleinformat als dankbarer Bodendecker. Ein weiterer, wichtiger Vorzug von Bambus: Bis zu minus 20 Grad Celsius können dem robusten Gras nichts anhaben.


