Blühende Dachdecker

Duftende Kräuter statt Kies, blühende Zwergstauden statt Ziegeln: Es tut sich etwas auf unseren Dächern. Monotone Flächen werden immer häufiger durch lebendige Pflanzenteppiche ersetzt. Das sieht nicht nur gut aus und trägt einen Hauch Südfrankreich auf das Dach. Für eine Dachbegrünung sprechen auch ganz andere, praktische Vorteile.

Zugeben, ein in der prallen Sonne liegendes Flachdach wirkt eher lebensfeindlich. Statt summenden Bienen zu lauschen, denkt man eher daran, in der flirrenden Hitze Spiegeleier zu braten. Doch es geht auch anders. Viele Dächer lassen sich ohne allzu großen Aufwand vom Backofen in einen Blütenteppich verwandeln.

Sitzbereich im Garten mit Holzstühlen und Tisch, umgeben von Bäumen und Pflanzen.

Vorteile einer Dachbegrünung für Hausbesitzer

Nicht nur Romantiker oder Bienenfreunde lassen ihr Dach gerne begrünen. Auch wer den Wert seiner Immobilie steigern und für ein ausgeglichenes Raumklima sorgen möchte, setzt zunehmend auf Pflanzen statt auf Kies. Das Gebäude wird durch die Pflanzenschicht zusätzlich gedämmt. Im Sommer heizt es sich nicht so stark auf und im Winter kühlt es nicht so schnell aus. Und nach einem Regenschauer wird ein Teil des Wassers auf dem Dach zurückgehalten und fließt erst mit zeitlicher Verzögerung ab. Das entlastet die öffentliche Kanalisation. Viele Gemeinden belohnen die Besitzer begrünter Dächer deshalb mit einer verminderten Abwassergebühr.

Zusätzlich spart die isolierende Wirkung der Pflanzenschicht einer Dachbegrünung im Winter bares Geld durch niedrigere Heizkosten. Auch die Lebensdauer des Daches steigt, wenn es vor UV-Strahlung geschützt wird und die Temperaturschwankungen zwischen den Jahreszeiten nicht so extrem ausfallen.

Bunte Blumen und Pflanzen in einem Garten mit verschiedenen Farben und Texturen.

Dachbegrünung und Photovoltaik kombinieren

Wer sich eine Photovoltaik-Anlage anschaffen möchte, muss deshalb nicht auf eine Dachbegrünung verzichten. Im Gegenteil, sie kann das eigene Sonnenkraftwerk sogar unterstützen: Im Hochsommer werden die Solarzellen durch die Verdunstung der Pflanzen leicht gekühlt. Das erhöht den Wirkungsgrad der Photovoltaik-Anlage und macht die Dachbegrünung zu einer sinnvollen Ergänzung.

Flachdach oder Schrägdach – wo ist Dachbegrünung möglich?

Die Flachdächer von Garagen und Bungalows lassen sich natürlich besonders einfach bepflanzen. Doch eine Dachbegrünung auch geneigten Dächern durchaus gut. Theoretisch können bis 45 Grad geneigte Dächer bepflanzt werden. Dann wird es allerdings technisch aufwändiger, weil eine zusätzliche Schubsicherung für das Substrat eingebaut werden muss. Spezielle Materialien und Fachwissen sind allerdings ganz unabhängig von der Dachneigung für eine professionelle Dachbegrünung nötig.

Ohne die richtige Technik und einen fachgerechten Aufbau der einzelnen Schichten geht es natürlich auch bei flachen Dächern nicht. Damit die Pflanzen nur dort wachsen, wo Gartenbesitzer es wünschen und sich nicht eines Tages zur unerwünschten Innenraumbegrünung entwickeln, wird als unterste Schicht eine Wurzelschutzfolie verlegt. Darauf folgen in der Regel schützende Vliese, Drainage-Matten und filternde Vliese. Erst danach ist das Dach vorbereitet für Substrat und Pflanzen.

Statik: Wie viel Last trägt ein Gründach?

Neben dem professionellen Verlegen der Folien- und Vliesschichten spielt die Statik, in diesem Fall die maximal zulässige Dachlast, eine Schlüsselrolle bei der Dachbegrünung. An die 250 Kilo muss ein Quadratmeter schon aushalten, und das Gewicht der Begrünung muss natürlich darunter liegen. Je nach Jahreszeit trägt das Dach schließlich zusätzlich zur Begrünung auch schweren Pappschnee. Wenn die Fläche wie ein Garten genutzt werden soll und Sitzplätze, Wege und Gehölze geplant sind, muss ein Quadratmeter häufig mehr als eine Tonne tragen. Solche Belastungen halten nicht alle Dächer aus und das müssen sie auch nicht.

Gründach eines modernen Gebäudes mit Glasfassade und bepflanzten Flächen im Vordergrund.

Extensive Dachbegrünung: Wenig Pflege, große Wirkung

Wer nicht in einer Großstadt lebt und das Dach als einzigen Freiraum nutzen möchte, wird sich in der Regel für eine Variante entscheiden, die nicht so schwer ins Gewicht fällt. Diese so genannte extensive Dachbegrünung lässt sich auf den meisten flachen oder wenig geneigten Dächern umsetzen. Sie ist nicht nur leichter, sondern verlangt nicht viel Pflege. Wer möchte schon regelmäßig mit der Gießkanne auf das Dach steigen? Bewässert wird so eine extensive Begrünung nur unmittelbar nach der Anlage und bei extremer Trockenheit. Ansonsten sollten einmal im Jahr Wildwuchs und abgestorbene Pflanzenteile abgeschnitten werden.

Einfamilienhaus mit grauem Dach und moderner Gartenzaun mit Schriftzügen.
Garten mit einer überdachten Terrasse und verschiedenen Pflanzenbeeten in einem modernen Design.
Bunte Dachbegrünung mit verschiedenen Blumen und Pflanzen auf einem Flachdach.

Geeignete Pflanzen für die Dachbegrünung

Pflanzen, die auf der dünnen Substratschicht des Daches ohne regelmäßige Wasserversorgung gedeihen sollen, müssen einiges aushalten. Wenn Fachleute Fetthennen für das Dach empfehlen, raten sie keineswegs zur Haltung schwindelfreier Hühner, sondern meinen damit eine bewährte Pflanzengattung zur Dachbegrünung. Fetthennen, botanisch Sedum, überstehen lange Trockenperioden, halten extreme Kälte und Hitze aus und brauchen kaum Nährstoffe. Mit ihren meist gelben oder purpurfarbenen Sternenblütchen sehen sie auch noch gut aus und bieten Bienen wertvollen Nektar.

Gräser hingegen sollten behutsam eingesetzt werden, da sie sich stark ausbreiten und vor allem im Sommer manchmal vertrocknet aussehen. Ist die Trockenperiode überstanden, erholen sich die Gräser zwar wieder, im Idealfall sollte ein bepflanztes Dach aber das ganze Jahr über gut aussehen. Damit sowohl die Optik als auch das Miteinander der Pflanzen stimmt, kommt es auf die richtige Mischung verschiedener Arten an, die sich in der Praxis bewährt hat.

Blick auf einen Dachgarten mit begrüntem Bereich und einem Pool im Hintergrund.

Gründach anlegen – auch im kleinen Maßstab

Wer mag, kann als Generalprobe für das große Dach auch klein anfangen und die Pflanzenfavoriten aus der Nähe und auf Augenhöhe betrachten wie zum Beispiel auf einem Baumhaus oder einer Fahrradgarage. Eine Mindestgröße zur Dachbegrünung gibt es nämlich nicht.