Bunt wirkt: Farbpsychologie für den Garten

Farben begleiten die Menschheitsgeschichte seit jeher und spielen in unserem Alltag eine entscheidende Rolle – bis hinein in den Garten. Durch eine gezielte Farbauswahl an Blüten lassen sich hier nicht nur optische Effekte erzielen, sondern auch die unterschiedlichsten Stimmungen erzeugen. GartenArt hat mit einem Farbpsychologen gesprochen und sich in der Welt der Farben im Garten etwas genauer umgeschaut.

Ein behagliches Gefühl, das von einem zarten Gelb ausgeht oder der beruhigende Effekt eines kräftigen Blau: Farben können eine Vielzahl von Wirkungen beim Betrachter auslösen. Sie haben Einfluss auf unser Wohlbefinden, unsere Stimmung und sogar auf unsere Gesundheit. Was bei der Raumgestaltung der eigenen vier Wände schon lange Anwendung findet, lässt sich natürlich auch auf die Farbgestaltung des Gartens übertragen. Doch wie wirken die unterschiedlichen Farben eigentlich auf unser Gemüt und was bedeutet das für die Farbgestaltung des Gartens?

Gartenbank aus Stein mit zwei gestreiften Kissen und umgebenden Pflanzen im Hintergrund.

Farben wirken im Unbewussten

Als einer der ersten Farbpsychologen in der Geschichte gilt Johann Wolfgang von Goethe. Mit seinem Werk „Die Farbenlehre“ (1810) legte er den Grundstein für die Farbpsychologie und versuchte das Phänomen Farbe in seiner Gesamtheit, das heißt sowohl physikalisch als auch ästhetisch, zu erfassen und zu beschreiben. Einer der sich heute intensiv mit dem Thema Farbe beschäftigt, ist Harald Braem. „Farben waren schon vor dem Menschen da und existieren als archetypischen Prägungen in uns. Aus der Urzeit kommend beeinflussen sie Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen heute noch unterbewusst“, erklärt der Gründer des Instituts für Farbpsychologie in Bettendorf. „Rot gehört zu den warmen Farben, spricht die linke Hälfte des Gehirns an und steht für Feuer und Blut“, sagt der Farbenexperte. Bis heute reagiere der Mensch mit Erregung und Aktivität auf diese Farbe. Im Garten sollte Rot laut Braem deshalb nur sparsam eingesetzt werden, sie könne sonst Stress auslösen. „Blau hingegen ist eine kalte Farbe, spricht die rechte Gehirnhälfte an, steht für den Himmel und das Meer und wirkt eher beruhigend“, so der Experte weiter.

Garten mit runden Buchsbaumhecken und einer Holzbank im Hintergrund.
Bunte Blumen in einem Garten mit roten Wänden im Hintergrund und grünen Pflanzen.

Jede Farbe im Garten wirkt anders

Jeder Farbe sei ein entsprechender Menschentyp zuzuordnen, das gelte auch für den Garten. „Blau steht dabei für einen eher stillen, romantischen Typ, rot oder gelb hingegen für einen extrovertierten, aktiven Menschen“, so der Farbpsychologe. Auch, was das Geschlecht angehe, gebe es Unterschiede: „Frauen reagieren beispielsweise stark auf das Lila des Lavendels, Männer spricht hingegen eher Blau, etwa das einer Kornblume an.“ Zur Vorsicht rät der Experte beim Einsatz von einem blässlichen Lila im Garten: „Falsch eingesetzt kann es schnell deprimierend wirken.“ Grün hingegen wirke sich sehr positiv auf den Menschen aus und komme bei beiden Geschlechtern an. „Grün ist eine sehr positiv besetzte Farbe und steht für Gesundheit und Natur. Psychologisch bedeutet sie Aussicht auf Nahrung“, erklärt Harald Braem. „Grün tut der Seele gut und ist für den Menschen sowohl selbstverständlich als auch lebensnotwendig.“

Ein zweigeschossiges Haus mit einem gepflegten Garten voller Blumen und Sträucher.
Holzsofa mit beigen Kissen und roten Stühlen auf einer Terrasse im Freien.
Bunte Blumen und Pflanzen in einem Garten mit Sonnenlicht im Hintergrund.

Farbakzente im Garten als Stimmungsaufheller

Gerade im grauen Winter, wenn das satte Grün vieler Pflanzen sich in den Winterschlaf zurückzieht, die meisten Blumen verblüht und die Bäume ihr goldenes Herbstkleid abgeworfen haben, ist es also wichtig, Farbakzente zu setzen. „Gelbe Blüten vermitteln Lebensfreude und können als Stimmungsaufheller in der kalten Jahreszeit dienen. Dafür eignen sich besonders gelbe Mahonien (Mahonia aquifolim x media) wie die Sorte ‚Winter Sun‘ oder die Zaubernuss (Hamamelis). Auch gelbe Hartriegelsträucher oder die gelb-roten glänzenden Zweige der Silberweide ‚Yelverton‘ (Salix alba) bringen Farbe in den winterlichen Garten.

Bunte Rosensträucher mit pinken und weißen Blüten in einem Garten.

Raumwirkung von Farben im Garten

Abgesehen von der psychologischen Wirkung der Farben, können sie auch direkten Einfluss auf die Raumwirkung des Gartengrundstücks nehmen. Blau bringt Klarheit und Ruhe in den Garten und kann ihn in Kombination mit weißen Blüten größer wirken lassen. Zudem können weiße Blüten dunkle Ecken heller machen, den Garten optisch vergrößern und in den Abendstunden erleuchten. Dunkle Blütenfarben verkleinern den Garten. Auch bereits vorhandene Farben im Garten müssen in die Gestaltung mit einbezogen werden. Fassaden, Mauern, Möbel, Bodenbeläge und Pflanzgefäße bilden den farblichen Rahmen, in den die Blüten- und Blattfarben hineingearbeitet werden sollten.

So kann das Grün einer Hecke für die leuchtenden Blüten des Klatschmohns oder eine weiße Wand den Hintergrund für die violett-blauen Blüten des Silberstrauchs dienen. Komplementärfarben wie Rot und Grün, Blau und Orange oder Gelb und Violett bringen sich gegenseitig am besten zum Leuchten.

Individuelle Planung eines Farbkonzepts im Garten

Doch was gibt es bei der individuellen Farbgestaltung eines Gartens zu beachten? In erster Linie sollte die Farbgebung des Gartens der Persönlichkeit des Besitzers entsprechen. Darum ist einer der ersten Fragen die Gartenbesitzer sich stellen sollten, wenn es um die Pflanzarbeiten im Garten geht, welche Farben und Blumen sie am liebsten mögen. Neben den persönlichen Vorlieben des jeweiligen Gartenbesitzers ist die konsequente Umsetzung eines einheitlichen Farbkonzepts wichtig. Je mehr Farben in einem Garten eingesetzt werden, desto unruhiger wird das Gartenbild. Vielmehr sollten wenige Farben gezielt eingesetzt werden, sei es für Farbinseln entlang eines Weges oder flächendeckende Pflanzungen. Nur so können die gewünschten Effekte erzeugt werden. Hier gilt wie so oft: Weniger ist mehr. Damit das Farbkonzept eines Gartens aufgeht, spielt auch eine gute Planung eine entscheidende Rolle: Grundsätzlich sollte man den Standort – also Licht und Boden sowie die Blühfolge der einzelnen Pflanzen – berücksichtigen. Jede Blüte sollte für sich wirken und nicht in Konkurrenz zu einer anderen treten. Außerdem sollte zu jeder Zeit etwas blühen, sodass keine Löcher entstehen.

Keine Frage: Für die perfekte Farbgestaltung eines Gartens spielen die unterschiedlichsten Faktoren eine Rolle. Die unendliche Vielfalt an Variationsmöglichkeiten muss letztendlich mit den natürlichen Faktoren Standort, Bodenbeschaffenheit, Jahreszeitenwechsel und Blütezeitpunkt sowie mit den persönlichen Vorlieben des Gartenbesitzers zu einem individuellen Farbkonzept zusammenwachsen.