Trockenmauern: Handwerkskunst in Stein
Steine ohne Mörtel oder Zement zu stabilen Mauern aufzuschichten, ist eine jahrtausendalte Bautechnik. Solche Trockenmauern prägen weltweit in vielen Regionen die Landschaft und sind auch für den Garten ästhetisch wie funktional eine Bereicherung – die perfekte Symbiose von Handwerk, Kunst und Natur.
So eine Trockenmauer ist regelrecht ein Kunstwerk: Es braucht reichlich Fachwissen, handwerkliches Geschick und Erfahrung, um in zig Stunden Handarbeit hunderte von Natursteinen ganz ohne Mörtel und Zement so aufzuschichten, dass sie eine ebenso stabile wie optisch ansprechende Mauer bilden. Keine Trockenmauer gleicht der anderen, jede ist einzigartig und für den Handwerker, der sie ausführt, eine neue Herausforderung.
Neben seiner Erfahrung und seinem Geschick sind es die Steine, die das Bild der Mauer prägen: ihre Farbgebung, ihre Größe – und ihre Form. Denn es müssen nicht wie bei „normalen“ anderen Mauern rechte Winkel und gerade Fugen sein – im Gegenteil: Jeder Stein wird, manchmal ganz unbehauen, individuell eingepasst und so lange probiert, bis es passt. Das verlangt von dem Handwerker, der ein solches steinernes Puzzle zusammensetzt, viel Erfahrung und Leidenschaft.
Was nicht passt, wird passend gemacht
Bei der kunstvollen Schichtung der unterschiedlichsten Steine sind außerdem Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt. Die größte Herausforderung ist es, die Steine auszusuchen, passend zu bearbeiten und schließlich optisch und technisch einwandfrei zusammenzufügen. Maschinell bearbeitete Steine bieten zwar den Vorteil, dass sie sich leichter und schneller zusammensetzen lassen, weil sie regelmäßiger als naturbelassene sind. Besonders schön wird eine Trockenmauer aber vor allem dann, wenn die Steine im Steinbruch nur grob zugerichtet und erst auf der Baustelle per Hand bearbeitet werden.

Wie viel Aufwand ist es, eine Trockenmauer zu bauen?
Wie vor 100 Jahren behauen Profis dann jeden Stein einzeln und so, wie sie ihn brauchen. Je nach Steinauswahl, Bearbeitung und Schichtung entstehen so die unterschiedlichsten Mauerbilder. Steingrößen, -höhen, -formate, -formen oder aber auch die Schichthöhen können innerhalb einer Mauer variiert werden. Die optische Vielfalt ist grenzenlos, wichtig ist aber, dass ein homogenes Bild entsteht. Dieses kleinteilige, individuelle Arbeiten ist aufwendig, kostet Zeit – und natürlich auch Geld. Je nach Steingröße rechnet man mit sechs bis acht Stunden Arbeit pro Quadratmeter Mauerwerk.
Am besten Naturstein aus der Region
Der Baustoff, aus dem eine Trockenmauer entsteht, ist Naturstein, und den gibt es in unendlicher Vielfalt. Immer empfehlenswert ist es, regionaltypischen Stein zu verwenden. Das spart lange Transportwege, außerdem fügen sich die Mauern besser in die Umgebung ein. Dabei muss nicht immer nur eine Gesteinsart pro Garten zum Einsatz kommen, manchmal kann auch eine Mischung reizvoll sein – immer vorausgesetzt, dass die einzelnen Arten gut miteinander harmonieren. Besonders nachhaltig werden Trockenmauern, wenn man Steine wiederverwendet. Gleichzeitig verleihen recyclete Steine einer Trockenmauer eine Extraportion an Individualität und Historie. Oder wie wäre es, symbolisch einen eigenen Stein in die neue Trockenmauer einzufügen, etwa ein Fundstück vom Strand aus dem letzten Urlaub? Manch einer hat sich auch schon einen jahrhundertealten Familiengrabstein oder ein Stück des alten Stuttgarter Bahnhofs in seine Trockenmauer einarbeiten lassen.


So werden Trockenmauern standsicher
Ob als gemütliche Sitzmauer, charaktervoller Raumteiler oder stilvoller Sichtschutz: Dank ihrer einzigartigen Ästhetik können Trockenmauern im Garten vielfältig eingesetzt werden. Das klassische Einsatzgebiet für Trockenmauern ist, mit ihnen die Terrassen von Hanggrundstücken abzufangen. Sie geben den einzelnen Terrassen und ihrer Bepflanzung einen hoch ästhetischen Rahmen und verleihen ihnen Halt – statisch wie optisch.
Dabei sind Trockenmauern keine statischen Bauwerke, sondern immer in Bewegung. Deshalb ist bei der Hangabstützung, neben einem frostfrei gegründeten Fundament, der sogenannte Anlauf entscheidend, also eine Neigung von zehn Prozent in Richtung Hang. Das sorgt für mehr Stabilität. Weiter steht und fällt die Qualität einer Trockenmauer mit der Hintermauerung. Diese reduziert zum einen den Druck des Hangs auf die Mauer, zum anderen besitzt sie eine Drainagewirkung, so dass Regenwasser hinter der Mauer ablaufen kann. Am Fuß jeder Trockenmauer sollte zudem ein Drainagerohr verlegt werden, damit nach starken Regenphasen und Frost die Mauer keinen Schaden nimmt.


Lebensraum Trockenmauer
Zum Wesen einer Trockenmauer gehört, dass ihre offenen Fugen Lebensraum für Tiere und Pflanzen bieten. In den Hohlräumen zwischen den Steinen fühlen sich besonders kleine Eidechsen wohl, die die von der Sonne aufgewärmten Steine lieben. Aber auch Insekten und kleine Vögel nutzen die Fugen als Rückzugsort. Als vertikale Pflanzfläche kann sie auch hervorragend in die Beetgestaltung einbezogen werden: Für die Bepflanzung der Fugen eignen sich trockenheitsliebende Pflanzen wie Steinbrech oder Sedum, die völlig ohne Gießwasser auskommen. Damit ist die Verbindung aus Bauwerk und Natur endgültig perfekt.
Pflanzen für Trockenmauern
Mauerfugen:
Zimbelkraut – Cymbalaria muralis
Hauswurz/Steinrose – Sempervivum in vers. Arten und Sorten
Mauerpfeffer – Sedum in vers. Arten und Sorten
Steinbrech – Saxifraga in vers. Arten und Sorten
Lerchensporn – Corydalis lutea
Mauerkrone:
Flammenblume – Phlox subulata in vers. Sorten
Blaukissen – Aubrieta x cultorum
Teppich-Aster – Aster ericoides „Snowflurry“